AWO Köthen: Zukunftslösung für einen Teil der Einrichtungen in Aussicht

Köthen, 17.03.2026: Im Insolvenzverfahren des AWO Kreisverband Köthen e.V. zeichnet sich für einen Teil der Einrichtungen eine Lösung ab. Der DRK Kreisverband Köthen verhandelt über eine Übernahme wesentlicher Geschäftsteile der Köthener AWO.

„Mit der geplanten Übernahme kann ein wesentlicher Teil der Einrichtungen des AWO-Kreisverbandes Köthen seine Arbeit unter dem Dach eines neuen und erfahrenen Sozialträgers fortsetzen“, sagte Dr. Christian Heintze von der Sanierungskanzlei BBL Brockdorff, der zur Verfahrenseröffnung Ende Januar zum Insolvenzverwalter des Vereins bestellt wurde. „Vor allem der Erhalt einer Kita in Aken ist angesichts der dramatisch rückläufigen Geburtenzahlen in der Region ein Erfolg.“ Die beiden dort betriebenen Kitas „Lebensfreude“ und „Bummi“ werden künftig am Standort „Bummi“ gebündelt. „Dadurch schaffen wir eine Struktur, mit der ein wirtschaftlich auskömmlicher Betrieb dauerhaft möglich ist“, so Heintze.

Die Zusammenlegung der Einrichtungen erfolgt in enger Abstimmung mit der Stadt Aken zum 1. August 2026. Damit sind im laufenden Kindergartenjahr bis zu den Sommerferien für die betreuten Kinder und deren Eltern keine Veränderungen notwendig. Hintergrund der Zusammenlegung ist, dass beide Einrichtungen aktuell nur teilweise ausgelastet sind. Infolge geringer Geburtenraten wird sich der Bedarf an Kita-Plätzen in den nächsten Jahren eher weiter verringern. „Für alle Kinder, die derzeit in den beiden Kitas betreut werden, wird es auch ab August ein Betreuungsangebot geben“, betonte Heintze.

Für die Kita „Spatzennest“ in Köthen konnte trotz intensiver Suche kein neuer Betreiber gefunden werden, der bereit ist, die Einrichtung zu übernehmen und dauerhaft fortzuführen. Der Standort ist seit längerer Zeit in den roten Zahlen. Hinzu kommt, dass für einen Weiterbetrieb umfangreiche Investitionen in die Immobilie notwendig wären. So müsste z.B. eine Feuertreppe angebaut sowie Ent- und Versorgungsleitungen erneuert werden. „Wir haben in den letzten Monaten alle Optionen überprüft und gemeinsam in enger Abstimmung mit Stadt und Landkreis nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, leider ohne Erfolg“, so Heintze. „Eine Schließung der Einrichtung ist damit leider nicht mehr abzuwenden.“ Das Insolvenzrecht erlaubt eine Fortführung nur, wenn dadurch keine Nachteile zulasten der Gläubiger entstehen. Im Spatzennest betreuen aktuell 31 Beschäftigte 115 Kinder.

Der Trägerverein hat die Beschäftigten und die betroffenen Eltern in Köthen heute informiert. Der Betrieb des Spatzennests wird Ende April eingestellt. „In den städtischen Kitas werden ausreichend Betreuungsplätze geschaffen, um eine nahtlose Anschlussbetreuung der Kinder zu ermöglichen“, betonte Paul Kudlich, der aktuell die Geschäfte vor Ort führt. „Wir haben die Stadt Köthen und den Landkreis im Vorfeld informiert. Auch bei anderen freien Trägern sind noch Angebote vorhanden.“ Die Stadt Köthen wird ihr Betreuungsangebot in den bestehenden Einrichtungen mit zusätzlichem Personal erweitern, wobei auch für die Beschäftigten der AWO die Möglichkeit besteht, sich zu bewerben. Die entsprechende Stellenausschreibung ist ab dem morgigen Mittwoch, 18. März 2026, freigeschaltet. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Bewerbung möglich.

„Der DRK Kreisverband Köthen prüft ebenfalls die Übernahme des geschützten Wohnens in der Akazienstraße in Köthen mit derzeit 13 Bewohnern“, so Vorstand Katja Ulrich. „Uns ist es ein besonderes Anliegen, den Bewohnerinnen und Bewohnern die Verlässlichkeit ihrer vertrauten Umgebung zu bewahren.“
Der mobile Pflegedienst des AWO-Kreisverbandes ist nicht vom Insolvenzverfahren betroffen. Dennoch soll auch dieser Bereich Teil einer Vereinbarung mit dem DRK Kreisverband Köthen werden – am Pflegebetrieb und den Beschäftigungsverhältnissen der Mitarbeitenden ändert sich dadurch nichts. Alle Pflegeleistungen werden in der gewohnt hohen Qualität weitergeführt.

Der AWO Kreisverband Köthen e.V. hatte Anfang Dezember 2025 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Mit der Eröffnung des Verfahrens Ende Januar wurde Dr. Heintze zum Insolvenzverwalter bestellt. Wie viele Sozialträger steht der AWO Kreisverband Köthen e.V. wirtschaftlich unter Druck: Zum einen sind die Kosten etwa für Energie und Personal zuletzt stark gestiegen. Zum anderen ist aufgrund der in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangenen Geburtenzahlen die Auslastung der betriebenen Kitas deutlich gesunken.


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